Rohstoffe: Motor der Wirtschaftsentwicklung in Afrika?

Rohstoffe wie Öl, Erze, seltene Erden, Holz und zunehmend auch landwirtschaftliche Produkte gelten als Grundlage des zum Teil beeindruckenden Wirtschaftsentwicklung in Afrika.  Während das Handelsblatt dort „… erhebliches Potenzial – trotz der hohen Risiken und der geringen Marktkapitalisierung“ sieht, sprechen Menschenrechtler vom „Rohstoff-Fluch“. Und in der Tat, das Wachstum in den meisten Länder kommt eine kleinen wohlhabenden Oberschicht und den Regierenden zugute.
In Rohstoff reichen Ländern wie z.B. Nigeria wächst die Armut trotz eines Wirtschaftswachstum von mehr als 7% in den letzten Jahren. Sieht man sich die Handelsbilanz mit der EU an, so hatte Nigeria 2012 ein Handelsdefizit mit der EU in Höhe von 21 Milliarden Euro. Während der Wert der aus der EU Eingeführten Waren sich zwischen 2010 und 2012 verdoppelt hat, haben sich die Ausfuhren aus Nigeria in die EU nur 0,8 Milliarden Euro von 10,7 auf 11,5 Milliarden Euro erhöht. Tatsächlich ist aber die Handelsbilanz durch die reichen Ölvorkommen und die gestiegenen Rohstoffpreise positiv und lag 2011 bei 61 Milliarden US$. 86% der Ausfuhr bestand aus Rohöl) Das heißt Nigeria lebt vom Öl. Eingeführt wurden in 2011 vor allem: Nahrungsmittel 28,2; Maschinen 11,1; Kfz und -Teile 10,7; Erdöl 9,6; Chem. Erzg. 7,7; Sonstige 32,7.

Abgesehen von den gigantischen Umweltschäden die durch die Ölförderung entstehen bleibt die Frage, wo das daraus entstehende durchschnittlich pro Kopf-Einkommen von 1631 US$ jährlich bleibt?
Einige Fakten (alle für das Jahr 2011) über das Leben in Nigeria:

Die offizielle Arbeitslosenquote beträgt 2011 23,9%, dürfte aber tatsächlich viel höher liegen.
Fast 40% der 165 Millionen Nigerianer sind Analphabeten.
Die Bildungsausgaben betragen 0,9% des Bruttoinlandsproduktes.
Von 1000 lebend geborenen Kinder versterben 124 vor ihrem fünften Lebensjahr.
40,7 % der Kinder zwischen 7 und 14 müssen arbeiten.
Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt bei 51,8 Jahren.
54% der Bevölkerung leben in extremer Armut, haben also weniger als 1,25 US$ pro Tag zum Leben.

Ist das wirklich ein Aufschwung, eine positive Wirtschaftsentwicklung in Afrika? Ich glaube daran nicht. Nicht für Nigeria und auch nicht für die meisten der anderen afrikanischen Länder. Tatsächlich ist das was da als wirtschaftlicher Aufschwung gepriesen wird nur das Halali dem weitere gnadenloser Ausbeutung des Kontinents folgt. Profiteure sind die dort lebenden, oft korrupten politischen Eliten und die international agierenden Konzerne die sich günstig mit Rohstoffen versorgen wollen. Maßstab einer solchen positiven Wirtschaftsentwicklung sind ausschließlich ökonomischer Art. Rendite geht vor Menschenrechte.

Da ist es, wenn es auch nur ein kleiner Schritt in die richtige Richtung ist, zu begrüßen, das die EU nun die Konzerne verpflichten will  offenzulegen was sie an die Regierungen zahlen. Leider muss das erst noch in nationales Recht in den Mitgliedsstaaten umgesetzt werden, sodass dass ganze frühestens ab 2015 greifen wird.  Dem Europaparlament ist dafür zu danken, dass die Forderung aus der Energiebranche ( das sind vor allem die ÖL-Multis) nach einer s.g. Tyrannenklausel nicht aufgenommen wurde. Die hatten nämlich gefordert von dieser Offenlegungspflicht befreit zu werden wenn sie Geschäfte mit autoritär beherrschten Ländern machen.

Die Frage ob man mit Regierungen Geschäfte machen sollte den die eigene Bevölkerung egal ist, die foltern und Menschenrechte missachten stellt sich nicht. Wie etwa ein Drittel der Regierungen des afrikanischen Kontinents südlich der Sahra beschaffen sind zeigt der folgende Weltspiegelbeitrag
Video ca. 7 min.


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