Finanzkrise, Eurokrise und Afrika

Diesmal beschäftige ich mich mit dem Thema Finanz- / Eurokrise. Was das mit Afrika zu tun hat?

Auf den ersten Blick vielleicht nichts, aber auf den zweiten doch einiges. Das Konzept des Sparens und die damit vor allem gemeinten Einschränkungen von öffentlicher Daseinsvorsorge, Bildung, Infrastruktur und sozialer Leistungen ist Teil eines Umverteilungsprozesses, der nicht nur die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter aufgehen lässt, sondern auch Ziele und Werte wie Chancengleichheit, das Recht auf Bildung und das Recht auf Nahrung zur programmatischen Floskel werden lässt.

Das was die EZB den Ländern Südeuropas abfordert, müssen Entwicklungsländer, nicht nur in Afrika schon immer erbringen wenn sie Geld brauchen. Hier sind es die Weltbank und der IWF, die sich als ausführendes Organ der Interessen der Industrienationen betätigen.

In Europa zeigt sich nun zunehmend das die bisherigen Konzepte für Europa falsch sind. Dass sie auch für Afrika falsch sind zeigen die bescheidenen Erfolge jahrzehntelanger Entwicklungshilfe. Ehrgeizige Ziele wie die Halbierung des Hungers werden verfehlt, nicht aus Geldmangel sondern weil der erforderliche ernsthafte Wille fehlt. Dahinter verbirgt sich vor allem der Egoismus der Wirtschafts- und Finanzeliten der Industrienationen. Was sich derzeit in Griechenland abspielt, dass die breite Bevölkerung zunehmend ins Elend gerät, während die Superreichen, die sich mit Hilfe der griechischen Politik bereichert haben, ihre Vermögen außer Landes schaffen, ist ein zentrales Symptom dieser falschen Politik.

Auch afrikanische Despoten und Eliten schaffen den auf Kosten der Bevölkerung erworbenen Reichtum außer Landes. Finanzoasen wie die Schweiz stöhnen über einen gewaltigen Geldzufluss.

Man kommt nicht umhin festzustellen, dass Weltbank, IWF und zunehmend auch die EZB mit dem Willen und der Billigung ihrer Eigentümer ihre Instrumente zur Unterdrückung und Verstärkung der sozialen Ungleichheit und Ungerechtigkeit einsetzten.

Das ist eigentlich.auch ganz einfach nachzuvollziehen.

So verlieh die EZB im Dezember 2011 eine halbe Billionen Euro zu 1 % Zinsen für eine Laufzeit von 3 Jahren an die europäischen Banken. Diese wiederum gaben dieses Geld weiter, auch an notleidende Eurostaaten wie Griechenland, Spanien, Portugal und Italien. Allerdings mit saftigem Zinsaufschlag. Ein Teil des Geldes wurde zu horrenden Zinsen auch in Staatsanleihen umgewandelt.

In Zahlen bedeutet das:

500 Milliarden € zu 1% Zinsen kosten die Banken bei der EZB 14,96 Milliarden in 3 Jahren

Beim Weitergeben diese Geldes zu einem durchschnittlichen Zins von 6,5 % nehmen die Banken 103,33 Milliarden Euro an Zinsen ein. D.h. Die Differenz von 88,37 Milliarden Euro sind der Nettogewinn, der in die Taschen der Banken und ihrer Eigentümer fließt. Das entspricht einer Rendite von 17,29%.

Damit man sich diesen Betrag vorstellen kann:
Mit diesen 88 Milliarden Euro könnte man für 80 Millionen Menschen für 3 Jahre sicherstellen, dass sie knapp über der von der Unesco definierten Armutsgrenze von 1,25 US$ täglich liegen.

Aber halten wir uns vor Augen, das dieser Gewinn durch keine echten Produkte oder Dienstleistungen entstanden ist sondern allein durch Zahlen in den Büchern der Banken. Wir sollten auch in Erinnerung behalten, dass uns die Politiker immer wieder erklären das wir alle sparen müssen um diese Schulden und „Rettungsschirme“ zu bezahlen.
Warum eigendlich gibt die EZB das Geld zu 1% Zinsen nicht direkt den Regierungen? Die könnten damit zum Beispiele ihre teueren Kredite ablösen. Nicht nur für Griechenland wäre das eine ungeheure Erleichterung.

Das gleiche Prinzip, aber in einer anderen Ausprägung findet von Seiten der IWF und der Weltbank mit den Ländern Afrikas statt. Viele der ärmeren Länder sind so hoch verschuldet, dass klar ist, dass sie ihre Schulden nie zurückzahlen können. Auch diesen Ländern hilft der IWF und die Weltbank. Sie erhalten trotz der prekären Lage Kredite, die allerdings nicht direkt in diese Länder fließen, sondern an große weltweit agierende Konzerne gehen. Diese Konzerne kaufen den Entwicklungsländern damit Rohstoffe und Ressourcen zu Dumpingpreisen ab oder investieren in riesige Projekte einzig und allein mit dem Ziel ihre Gewinne zu maximieren.

Die mit Milliarden gebauten Inga Staudämme im Kongo funktionieren bis heute nicht richtig und der weit unter der vorgesehenen Leistung erzeugte Strom wird an Länder verkauft die mit Devisen bezahlen können wie Südafrika, Namibia und Botswana. Die Kongolesen dürfen nur die Schulden aus diesem Projekt bezahlen. Wie in Europa erklärt die kongolesische Regierung ihrer Bevölkerung immer wieder, dass die magelhafte Infrastruktur, die fehlende Bildung und Gesundheitsversorgung mit der hohen Staatsverschuldung zu erklären sind. Weitere 500 Millionen US$ soll eine Sanierung kosten. Die Weltbank wird dazu wieder Kredite geben, vorausgesetzt das Geld fließt an ausländische Investoren.

Die Geldpolitik von EZB, IWF und Weltbank dient schon lange nicht mehr den Menschen, (wahrscheinlich war das auch nie das Ziel) sondern vor allem den „Investoren“. Und die suchen nach immer neuen gewinnträchtigen Anlagen und Spekulationen. Dabei ist es ihnen egal, ob mit dem Geld riesige Plantagen zur Erzeugung von Biosprit auf Kosten der lokalen Versorgung mit Grundnahrungsmitteln und Wasser gekauft werden oder ob mit Wetten auf Agrarprodukte die Nahrungsmittelpreise in die Höhe getrieben werden. Entscheidend ist am Ende nur dass die Rendite stimmt.

Das folgende Video mit dem Titel „Wieviel Schulden verträgt Afrika“ beschäftigt sich mit diesem Thema.

Video ca. 60 Min.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.