Die Zuhälter der Globalisierung

Ihr letztes Buch, „Die Ökonomie des Terrors“, war ein weltweiter Bestseller. Darin hatte Loretta Napoleoni die finanziellen Verflechtungen des internationalen Terrorismus offengelegt. Jetzt legt die Ökonomin nach. In ihrem neuen Buch „Die Zuhälter der Globalisierung“ geht es weniger um Schurkenstaaten, als vielmehr um schurkenhaften Kapitalismus. Sie schildert, wie die brutale Spielart des Kapitalismus unser Leben verändert und wie sie sich hat derart ausbreiten können.

Loretta Napoleoni lebt als Italienerin in London. Sie ist Bestsellerautorin, Journalistin, Wirtschaftswissenschaftlerin. Und sie sagt: Unsere Welt ist am Ende. „Wir haben genau dasselbe bereits während der industriellen Revolution, der Weltwirtschaftskrise 1929 und auch im Römischen Reich gesehen“, so Loretta Napoleoni. Die Schurkenwirtschaft stellt unsere Welt komplett auf den Kopf und es gibt nur wenig, was wir dagegen tun können. Die Welt, die jetzt geformt wird, hat fast nichts mehr mit der Welt zu tun, in der wir derzeit noch leben.“

„Es gibt keine Regeln mehr“
Loretta Napoleoni hat selbst viele Jahre für Banken und Wirtschaftsunternehmen gearbeitet. Doch das waren verglichen mit heute – wie sie sagt – ruhige Zeiten. In ihrem neuen Buch „Die Zuhälter der Globalisierung“ zeichnet sie ein düsteres Bild. Mafiosi, skrupellose Banker, korrupte Politiker – sie alle eint die Gier nach immer mehr. „Es ist heute sehr viel einfacher für das Verbrechen und die illegalen Geschäftemacher, die normale Wirtschaft zu kontaminieren“, sagt Napoleoni. „Ich nenne das Kontaminierung, das ist viel mehr als nur Einfluss zu nehmen, denn es gibt keine Regeln mehr. Wir leben in einer deregulierten Welt. Wer soll diese Kontaminierung noch unterbinden? Da ist nichts und niemand mehr, der sie stoppen würde.“ Diese Entwicklung beginnt für Napoleoni mit dem Fall der Mauer. Im Osten entsteht ein Machtvakuum. Die Folge sind Vetternwirtschaft und eine fatale Politik. Sie begünstigen beispielsweise die Enstehung der Russenmafia.

„Nach dem Fall der Berliner Mauer gab es eine regelrechte Flut von Prostituierten aus den ehemaligen kommunistischen Staaten“, so die Journalistin. „Daneben gab es auch eine Unzahl von Sexsklaven. Die Mehrheit von ihnen wurde regelrecht gehandelt, und zwar im ehemaligen Westberlin. Von dort wurden sie überall hin verkauft und vermarktet. Das brachte mich auf die Spur. Ich wollte wissen, wie es möglich war, dass der Fall des Kommunismus und der Sieg der Demokratie solch katastrophale Zustände produzierten.“ Solche Zustände lassen sich auch in Hatton Garden, London, finden. Wer hier einkaufen geht, der hat es geschafft – und unterstützt Menschenhändler und Sklaventreiber. Denn statistisch gesehen klebt an vielen Ringen das Blut der Globalisierung. Loretta Napoleoni sieht es. „Sie wissen nichts über die Herkunft Ihres Eherings, zum Beispiel“, erläutert Napoleoni. „Er könnte aus Gold hergestellt sein, das aus der Gegend von Eturi im Ost-Kongo stammt. Dort wird es von Kindersklaven gefördert, die von ihren War-Lords geknechtet werden. Über Uganda wird dieses Gold dann auf die internationalen Märkte geschmuggelt und kann als ugandisches Gold schließlich in jedem dieser Shops liegen. Und Sie merken es nicht einmal.“


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