Die nächste Hungerkatasrophe wird gerade jetzt gemacht

Missernten, Naturkatastrophen und wachsender Bedarf haben zunehmend einen immer kleineren Anteil am Hunger von mehr als 1 Milliarde Menschen. So war der Hunger 2011 z.B. in Kenia nicht davon erzeugt, dass es zu wenig Nahrungsmittel gab, sondern davon, dass die Preise in eine Höhe geraten waren, die von den Menschen nicht mehr bezahlt werden konnten. 2011 war der Lagerbestand an Getreide größer als alle Jahre davor. Ein Bericht aus WELT ONLINE vom 13.8.2011 beschreibt die Situation in Kenia.

Derzeit entwickeln sich die Preise für Nahrungsmittel auf dem Weltmarkt immer weiter nach oben. Dabei sieht es für die zentralen Rohstoffe wie Weizen, Mais und Reis z.T noch wesendlich dramatischer aus.

 

 

 

 

 

 

 

Der Preis für Weizen ist von April bis August 2012 um 30 % gestiegen.

 

Der Preis für Reis ist seit 2008 von 280 USD auf über 1000 USD in 2011 gestiegen und seit dem auf diesem hohen Niveau.

Der Preis für Mais hat sich um fast 40% im letzten halben Jahr erhöht.

 

 

 

 

 

 

Auswirkung für Menschen in Entwicklungs- und Schwellenländer

Warum das für die Entwicklungs- und Schwellenländer katastrophale Konsequenzen hat, wird deutlich, wenn man sich klar macht, dass ein deutscher Durchschnittshaushalt etwa 10 % des Einkommens für Nahrung ausgibt. Bei einem Durchschnittshaushaltseinkommen von 2700€ bedeutet es, dass 270€ für Nahrung aufgewendet werden. Das heißt, eine Verteuerung der Nahrungsmittel um 30% bedeuten eine Mehrbelastung von 90 €.

In den Entwicklungs- und Schwellenländern müssen die Haushalte 80% und mehr der Einkommens für Nahrung aufwenden. Bei einem Haushaltseinkommen von 600 € im Monat (das ist für die meisten Länder südlich der Sahara sehr hoch angesetzt) bedeutet das eine Mehrbelastung von 144 €. Da aber bisher schon 480 € für Nahrung aufgewendet werden mussten, fehlen nun 24€ für Nahrung. Dabei bleibt auch die großen Gruppen außen vor, die von weniger als 1,25 USD pro Tag leben müssen und bei denen auch bisher 100% des Einkommens nicht für eine ausreichende Ernährung reichten.

Warum Spekulanten die Preise nach oben treiben

Ganz einfach: Wegen der Gewinnmöglichkeiten. Ein Beispiel: ich habe im Mai an der Börse eine Option erworben, im September 1 Tonne Mais für 220 € zu erhalten. Der Preis betrug im Mai aber nur 200 €. Ich glaube aber, dass der Preis im September noch deutlich darüber liegen wird. Bis heute habe ich abgewartet und nun am 1. September liegt der Maispreis aber bei 268 €. Nun verkaufe ich mein Bezugsrecht für die 1 Tonne Mais für 260 € und habe damit 40 € verdient. Das sind in knapp einem halben Jahr 25% Rendite. Tatsächlich wird aber kein einziges Maiskorn bei der ganzen Aktion bewegt. Der, bei dem die 1 Tonne Mais tatsächlich lagerte, bekommt, statt den Mais zu liefern, sein Geld mit einem Aufschlag. Er sagt sich nun, da ist noch mehr drinne und lässt die Tonne in seinem Lager liegen. Keiner, weder ich noch der Börsenhändler, der mir die Option verkaufte, wollten wirklich den Mais haben. Nun erzähle ich Freunden und Bekannten davon, wie leicht ich die 40 € verdient habe, und gebe ihnen die Telefonnummer des Börsenhändlers. Der kann sich vor Anfragen nicht mehr retten. Er kauft den Mais wieder, diemal für 240 € die Tonne und Liefertermin ist der Mai 2013. Nun verkauft er meinen Freunden eine Option auf Mais im Mai 2013 für 290 € die Tonne. Auch der, der den Mais hat, erzählt seinen Freunden von dem guten Geschäft. Die haben ebenfalls Mais im Lager und verkaufen ihn natürlich nicht mehr zu dem Preis vom September von 240 €, sondern bieten ihn ebenfalls unserem Börsenhändler für 260 an. Nun hört ein ganz schlauer Investmentbanker davon. Prima, denkt der sich, und verkauft nun im grossen Stil ebenfalls Optionen in verschiedenen Formen auf Mais. Da er nie wirklich Mais kaufen oder verkaufen will, braucht er weder ein Lager noch Mais.Er handelt nur mit Kauf- und Verkaufsrechten. Man nennt das dann Derivate.

Das Ganze passiert weltweit an allen Börsen und in so genannten Schattenbörsen. Wenn man nun die gehandelte Menge an den Börsen mit der tatsächlichen Menge an physikalisch verfügbarem  Mais vergleicht, stellt man fest, dass es virtuell 18 mal soviel Mais gibt wie in der Realität. Das heißt, auf eine tatsächlich existierende Tonne Mais kommen noch einmal 18 Tonnen Mais, die gehandelt werden, obwohl es sie garnicht gibt.

Nun sind meine Freunde und ich kleine Lichter, die, wenn wir zusammenlegen, vielleicht mal das Geld für 10 Tonnen Mais hätten. Das gilt aber nicht für Investoren wie  die Deutsche Bank, die Allianz, Goldman und Sachs und Co. Die steigen bei so einer Rendite groß ein.

Wer dieser Beschreibung bis hierhin gefolgt ist, weiß nun, dass dies alles mit dem ehrlichen Handel mit Nahrungsmitteln nichts mehr zu tun hat. Wer das Modell versteht, weiß auch, dass es egal ist, ob die Preise steigen oder fallen, weil ich ja in beiden Richtungen spekulieren kann. Der auf dem Weltmarkt so zustande gekommene Preis hat auch nur noch wenig mit der tatsächlichen Maisernte zu tun. Für die, die den Mais als Nahrung brauchen, wird er teurer und für viele zu teuer.

Der Videobeitrag von kontext-tv.de beschäftigt sich mit diesem Thema und was man dagegen tun könnte.

Video ca 16 Min.


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